Zertifizierung von Kliniken

DIN-EN-ISO 9001-2015-klinikenInformationen für zertifizierungswillige und umstiegswillige Kliniken

Sind System-Zertifizierungen für eine Krankenhausleitung nützlich?

Aktuell werden für deutsche Krankenhäuser zwei Formen von Zertifizierungen angeboten:
Fachzertifizierungen, mit denen bescheinigt wird, dass eine Fachabteilung oder eine Gruppe von Fachabteilungen diejenigen Anforderungen erfüllt, die an ein hochqualifiziertes „Brustzentrum“, „Darmzentrum“ o.ä. zu stellen sind. Dabei werden gleichermaßen der organisatorische Aufbau, die interprofessionelle Zusammenarbeit, das medizinische Outcome und das Volumen der erbrachten Leistungen geprüft. Inhaltliche Taktgeber sind überwiegend Fachgesellschaften, vollzogen werden die Zertifizierungsvorgänge meist durch allgemeine professionelle Zertifizierungsgesellschaften. Daneben spielen in Krankenhäusern sogenannte Systemzertifizierungen eine Rolle. Hier wird geprüft, ob das gesamte Qualitäts-Management den internationalen Standards entspricht (zum Beispiel nach DIN EN ISO 9001). Dies kann für eine Krankenhausleitung eine nützliche exerne Überprüfung sein.

 

DIN EN ISO 9001 : 2015 – Was ändert sich?

Für die Zertifizierungsunternehmen und deren AuditorInnen stehen ausgeprägte Änderungen (formal wie inhaltlich) der Kriterienkataloge und Fragenkataloge an. Diese brauchen die Leitungen von zertifizierungswilligen Klinikenzunächst nicht zu interessieren. Für die Klinikleitungen ist nach heutigem Kenntnisstand
folgendes wichtig:

  1. Umfeld: Von einem Unternehmen wird nunmehr verlangt, dass es sich aktiv und dokumentiert mit seinem Umfeld auseinandersetzt:Wie ist das aktuelle Marktumfeld, wie sind die (gesundheits-) politischen Konstellationen, was sind wichtige rechtliche Rahmenbedingungen, wie leicht oder schwer können Mitarbeiter gewonnen werden, wie ist das Haus in der Öffentlichkeit positioniert usw. Das Unternehmen, sein Umfeld sowie die Erwartungen der Umgebung (Kunden, Partner etc.) müssen „verstanden“ werden und dieses Verständnis muss dargestellt werden.
  2. Führung: Die Anforderungen an die Unternehmensleitung werden präzisiert undverstärkt. Vor allem wird gefordert, dass der Konnex zwischen Unternehmenszielen, Umfeldbedingungen, identifizierten Risiken (s.nachstehend), QM-Organisation und Qualitätsmessverfahren (s. nachstehend) sichtbar gemacht wird. Dazu gehört auch eine konkrete Zuordnung QM-relevanter Aufgaben zu einzelnen (Leitungs-) Personen. Ein einzelner herausgehobener QM-Beauftragter muss nicht mehr benannt werden.
  3. Planung: Es muss geplant und dokumentiert werden, mit welchen Messverfahren (Indikatoren, Audits) welche QM-Ziele gemonitort werden sollen. Zur Planung gehört auch eine umfassende wiederholt vorgenommene Risikobewertung.
  4. Handbuch: Die QM-relevanten Dokumente müssen nicht mehr in einem (gedruckten) QM-Handbuch zusammengefasst sein.
  5. Wissensmanagement: Vorhandenes bzw. aktivierbares „Wissen“ wird als eigenständiges Element der Unterstützung (der qualitätsorientierten Leitung) benannt; der Umgang mit Wissen (Wissenserwerb, Wissensnutzung, Wissenstransfer, wer? wann? gegen über wem?) soll im einzelnen dargestellt werden.
  6. Zusammengenommen fordert die Norm noch deutlicher als bisher, dass das QM alles abbildet, was eine Unternehmensleitung tun muss, um das Haus, seine Patienten (Kunden) und seine Mitarbeiter vor Schaden zu bewahren.

DIN EN ISO 9001 : 2015 – Hinweise für den Umstieg: iso-9001-neu-orga-170401  und   iso-2015-kurzcheck-170731

Sind die Zertifizierungen von Krankenhäusern überhaupt qualitätsgesichert? Zertifizierungen an Krankenhäusern